Unterhaltsrecht
- 14. Feb.
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Wenn ein Unternehmen zwei Mitunternehmer hat und einer ausscheidet, dann ist er auszubezahlen und nicht etwa in der Höhe, die er benötigt, um sein Existenzminimum sicherzustellen, sondern entsprechend dem Unternehmenswert.
Ähnlich verhält es sich in der Familie: Wenn eine Mutter ihre Karriere hinten anstellt und die Erziehung der Kinder sowie den Haushalt übernimmt, damit die Familie als Unternehmenseinheit funktionieren kann – sie somit ihre Ressourcen dem Vater und seiner Karriere zur Verfügung stellt, damit dieser aus ihnen schöpfen und auf dem Arbeitsmarkt bezahlter Arbeit nachgehen kann –, dann muss sie sich im Fall der Trennung nicht mit dem Existenzminimum abspeisen lassen, sondern am Gesamteinkommen der Familie teilhaben dürfen, das durch den Vater auf dem freien Markt erwirtschaftet werden konnte, weil er sich die „unentgeltliche“ Arbeit der Mutter dazu einverleibt hat, um diese Karriere zu machen.
Das Unterhaltsrecht wird häufig dahingehend ausgelegt, dass die Frau, die zuhause geblieben ist, im Falle der Trennung als Unterhaltsberechtigte Unterhalt erhält, der lediglich ihren angemessenen Lebensbedarf decken soll, nicht jedoch eine gleichwertige Teilhabe an dem gemeinsam geschaffenen wirtschaftlichen Wert garantiert.
Diese Auslegung ist das Ergebnis der Rechtsfortbildung durch die Gerichte, obwohl das Grundgesetz die Familie als Ganzes schützt – also das „Familienunternehmen“ – und nicht nur den Mann, der entgeltlich auf dem Arbeitsmarkt tätig ist.
Der größte Unsinn der männerdominierten Welt ist es aber, uns Frauen einzureden, dass wir die „Gold-Digger“ sind, wenn wir im Fall der Trennung am „Unternehmenswert“ der Familie, den wir als Mitunternehmer mit aufgebaut haben, keine gleichwertige Teilhabe haben sollten, weil wir ja nur zuhause geblieben sind.
Mütter arbeiten 24/7 und Väter nur von 9 to 5. Der Beitrag der Mütter zum Familienunternehmen ist somit rechnerisch höher als der der Männer.
Ein weiteres Unsinns-Argument der männerdominierten Welt ist, dass ihre Arbeit einen höheren Wert habe, weil sie sich schlicht über uns Frauen gestellt, die Welt geregelt und gestaltet haben, um ausschließlich sich selbst Vorteile zu verschaffen, während wir jahrelang zuhause die Kinder betreut haben.
Und der allergrößte Unsinn ist, dass die Mutter, die jahrelang zuhause geblieben ist, bereits ein Jahr nach der Trennung wieder voll erwerbstätig sein soll, da ihr ansonsten fiktives Einkommen – neben der weiterhin geleisteten Kinderbetreuung – vom Unterhalt abgezogen wird.
Ich habe nicht meine eigenen Karrierechancen, die durchaus bestanden haben, hinten angestellt, damit der Kindesvater mit dem gesamten „Unternehmenswert“ der Familie davonziehen kann, während Richterinnen es mir nicht gönnen, dass ich für die jahrelang erbrachte Vorleistung angemessen ausbezahlt werde. Und ebenso haben alle Frauen das Recht, für ihre jahrelange Arbeit und Vorleistung angemessen entlohnt zu werden.
Ich muss mindestens über denselben Zeitraum durch Unterhaltszahlungen, bemessen am Gesamteinkommen des Unterhaltspflichtigen, unterstützt werden, wie ich den Unterhaltspflichtigen unterstützt habe – also bis ich mich wieder karrieremäßig entsprechend aufstellen kann. Nicht nur für ein Jahr, nach dem mir dann Geld abgezogen wird, weil fiktives Einkommen angerechnet wird, obwohl ich weiterhin Kinderbetreuung leiste!
Das Unterhaltsrecht muss dringend in die richtige Richtung – nämlich im Sinne des Art. 6 GG – hin definiert werden, um wieder dem Gesetzeszweck gerecht zu werden. Die Ausbeutung weiblicher Ressourcen hat sowohl im Sinne des Kindeswohls als auch im Sinne des Wohls der Familie insgesamt, das grundrechtlich geschützt ist, massive Nachteile für Frauen zur Folge, die jahrelang unbezahlte Vorleistung erbracht haben, während der wirtschaftliche Nutzen überwiegend beim Partner verbleibt.
Nach Art. 3 GG haben Männer und Frauen Anspruch auf Gleichbehandlung vor dem Gesetz. Die derzeitige Auslegung des Unterhaltsrechts verstößt gegen dieses Prinzip, da Frauen, die jahrelang die Familie und Kinder betreut haben, häufig nicht gleichwertig am wirtschaftlichen Wert der Familie beteiligt werden, während Männer, die entgeltlich auf dem Arbeitsmarkt tätig sind, unverändert profitieren. Das Unterhaltsrecht muss daher so definiert werden, dass die Beiträge der Frauen – sei es durch Kinderbetreuung, Haushalt oder Vorleistung für die Karriere des Partners – angemessen anerkannt und entlohnt werden, bis sie sich wieder karrieremäßig entsprechend aufstellen können.
Ein Partner einer Großkanzlei versteht dieses Prinzip wohl sehr gut – außer er ist selbst der Gold-Digger.
xx
Golestaneh
Englische Version:
Maintenance Law
If a company has two partners and one leaves, that partner must be paid out—not merely in the amount needed to secure their subsistence minimum, but in accordance with the value of the company.
The situation is similar within a family: If a mother puts her career on hold and takes over raising the children and managing the household so that the family can function as an economic unit—thereby making her resources available to the father and his career, enabling him to draw on them and engage in paid work on the labor market—then, in the event of separation, she should not be fobbed off with mere subsistence-level support. Rather, she must be allowed to participate in the total family income that the father was able to generate on the open market precisely because he appropriated the mother’s “unpaid” labor in order to pursue his career.
Maintenance law is often interpreted in such a way that the woman who stayed at home, as the dependent spouse after separation, receives maintenance that merely covers her reasonable living needs, but does not guarantee equal participation in the economic value jointly created.
This interpretation is the result of judicial development of the law, even though the Basic Law protects the family as a whole—that is, the “family enterprise”—and not merely the man who engages in paid work on the labor market.
The greatest absurdity of a male-dominated world, however, is to persuade us women that we are “gold diggers” if, in the event of separation, we insist on equal participation in the “enterprise value” of the family that we helped build as co-entrepreneurs—simply because we “only” stayed at home.
Mothers work 24/7, while fathers work from 9 to 5. Calculated in purely numerical terms, the contribution of mothers to the family enterprise is therefore greater than that of men.
Another nonsensical argument of the male-dominated world is that men’s work supposedly has a higher value because they have positioned themselves above women and structured and shaped the world in ways that primarily benefit themselves—while we spent years at home caring for the children.
And the greatest absurdity of all is that a mother who stayed at home for years is expected to return to full-time employment just one year after separation; otherwise, fictitious income—on top of the childcare she continues to provide—is imputed to her and deducted from her maintenance.
I did not put aside my own career opportunities, which certainly existed, so that the father of my child could walk away with the entire “enterprise value” of the family while female judges deny me adequate compensation for the years of advance contribution I made. And all women have the right to be appropriately compensated for their years of work and prior contributions.
At the very least, I must be supported through maintenance payments—calculated on the basis of the child’s father’s total income—for at least as long as I supported him, that is, until I am able to reestablish my career accordingly. Not merely for one year, after which money is deducted because fictitious income is imputed to me, even though I am still providing childcare.
Maintenance law urgently needs to be defined in the right direction—namely, in accordance with Article 6 of the Basic Law—in order to fulfill its legislative purpose once again. The exploitation of female resources has, both in terms of the child’s best interests and the welfare of the family as a whole (which is constitutionally protected), massive disadvantages for women who have provided years of unpaid advance contributions while the economic benefits largely remain with their partner.
Under Article 3 of the Basic Law, men and women are entitled to equal treatment before the law. The current interpretation of maintenance law violates this principle, as women who have cared for the family and children for years are often not granted equal participation in the family’s economic value, while men who engage in paid labor on the market continue to benefit unchanged. Maintenance law must therefore be defined in such a way that women’s contributions—whether through childcare, household management, or advance support for their partner’s career—are properly recognized and compensated until they are able to reestablish their careers accordingly.
A partner at a large law firm surely understands this principle—unless he himself is the gold digger.
xx
Golestaneh
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